Anfang bis 1850

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Stand:
17. November 2009

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Die Chronik der Abteilung Turnen und Leichtathletik im Turn- und Sportverein Kandern 1844 e.V. soll die Geschichte und Entwicklung des Turnsports in Kandern, aufzeigen. Ehrenbürger Albert Eisele hatte bereits zum 110-jährigen Bestehen 1954 die Anfänge des Turnens in Deutschland aufgezeichnet und aus alten Unterlagen die Vergangenheit beschrieben. Unter Federführung von Rainer Bissinger erfolgte zum 125-jährigen Bestehen die Fortschreibung. Wir haben nun zum 150-jährigen Jubiläum versucht, die vorhanden Aufzeichnungen chronologisch zu ordnen, aufgrund weiterer alter Akten zu ergänzen und die letzten 25 Jahre im Zeitraffer zu beschreiben.

1774 hatte Johannes Bernhard Basedow Leibesübungen in seine Erziehungspläne aufgenommen. Der charakterlichen Erziehung und körperlichen Ertüchtigung hat der Pädagoge sehr große Bedeutung beigemessen.

1784 übertrug der Pädagoge Christian Gotthilf Salzmann diese Pläne nach Schnepfenthal bei Gotha, wo er eine Erziehungsanstalt gegründet hatte. Johann Christoph Friedrich Guts Muhts, der Begründer des Schulturnens, hat die Pläne in Schnepfenthal erweitert.

1811 gründete Friedrich Ludwig Jahn, der Begründer des deutschen Turnwesens ("Turnvater Jahn") den ersten deutschen Turnplatz in der Hasenheide in Berlin. So sind auch die Anfänge des Turnwesens im Anfang des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit dem Namen Jahn zu suchen, denn erst durch Jahn und seinen Turnplatz wurde das Turnen bekannter. Man darf aber nicht vergessen, dass die Vaterländisch gesinnten Menschen eine Einigung Deutschlands erwarten. Einigkeit und Freiheit ersehnten auch die Turner.

1818 am Jahrestag der Leipziger Schlacht, dem 18. Oktober, feierten Studenten das Wartburgfest, von welchem Kaufmann in "Politische Geschichte im 19.Jahrhundert" schreibt: "Die Turngenossen dachten sich das alles so einfach und treu und kannten in Sachen des Vaterlandes nur die zwei Kategorien gut und böse. Jahn war von einem so reichen und treuen Herzen, dass er die Jugend begeisterte und rührte wie kaum ein anderer. Aber er behandelte die politischen Dinge nur mit dem Gefühl, verirrte sich zu manchen wunderlichen Sätzen und verlockte die Jugend, sich in ähnlichen Urteilen zu ergehen.

1819 wurde der Theaterdichter August von Kotzebue durch den Burschenschaftler Karl Sand ermordet. Von dieser Zeit an wurden alle freiheitlichen Bestrebungen unterdrückt und auch Jahn wurde verfolgt und eingesperrt. Das Turnen in den höheren Schulen Preußens wurde verboten. Neben den Studenten galten die Turner der freiheitlichen Ideen.

1832 wurde am 5. Juni im Großherzogtum Baden das Vereinsgesetz verkündet und es entstanden hier die ersten Turnvereine, Pforzheim (1834) ist der älteste badische Verein, es folgten 1844 Emmendingen, Freiburg und Kandern, 1846 Schopfheim und etliche nordbadische Vereine.

1844 ist das Gründungsjahr des Kanderner Turnvereins. Man fragt sich, warum in den benachbarten Städten Lörrach und Müllheim erst 16 bzw. 18 Jahre später Turnvereine entstanden. Spielten etwa Schweizer Einflüsse mit ? F.K.Mathys, der Konservator des Schweizerischen Turn- und Sportmuseums, hat 1957 ein Bändchen "Spiel, Sport und Turnen im alten Basel" veröffentlicht. Dieser Schrift sind folgende Sätze zu entnehmen: "Frisch, fromm, fröhlich, frei! Unter diesem mittelalterlichen Studentenwahlspruch, den im Auftrag Friedrich Ludwig Jahns der Dichter Ludwig Uhland neu formte, scharte sich Basels Turnerschaft zusammen und zwar zu einer Zeit, da man Andernorts noch nichts von dieser Leibesübung wusste. "Und weiter: "Im selben Jahre als in Deutschland besonders in Preußen, das Turnen gänzlich verboten wurde, turnte man begünstigt durch den Rektor des Gymnasiums, bei Regen in der St. Nikolauskapelle hinter dem Kreuzgang, wo ein mit Leder bezogenes noch im Kopf und Schwanz versehenes Turnpferd das einzige Turngerät (oder "Instrument", wie man damals sagte) bildete." Doch nahm das Turnen in Basel keinen glänzenden Fortgang. Es turnten Studenten, die aber immer in Sorge waren um einen Turnplatz. Durch das Verbot des Turnens in Deutschland kam eine große Zahl begabter Turnlehrer in die Schweiz. So verpflichtete der Erziehungsrat in Basel 1844 den aus Lauterbach in Hessen stammenden Adolf Spieß als Turnlehrer.

1845 Von den Anfangsjahren des Kanderner Turnvereins ist nur sehr wenig bekannt, nicht einmal die Namen der Vereinsgründer. Aber aus den Anfangsjahren muss das älteste Schriftstück, das uns erhalten blieb, stammen: "Grundgesetze des Turnvereins Kandern" steht darüber, leider ohne Jahreszahl. Der § 1 sagt über den "Zweck des Vereins": Die Turngesellschaft ist ein Verein junger Männer, welche zusammengetreten sind zum Zweck gemeinschaftlicher Körperübung. Und Entwicklung und Kräftigung der körperlichen Anlagen einen wackeren deutschen Sinn und Reinheit der Sitten zu erstreben, zu bewahren und zu verbreiten. An der Spitze der Gesellschaft steht ein aus und von derselben gewählter Vorstand von drei Mitgliedern,



1. dem Sprecher
2.dem Turnwart
3. dem Schriftwart
u. dem Rechnungsführer.

Interessant ist, dass der Schrifwart die Verpflichtung hat die Bücher und Zeitschriftensammlung in Ordnung zu halten und ein Verzeichnis der Schriften zu führen und zugleich die an die Vereinsmitglieder ausgeliehenen Schriften in einer Liste aufzuführen. "Das Eintrittsalter für Turner wird auf 17, das für Mitturner auf 14 Jahre festgelegt. Auf dem Turnplatz stehen alle Turner als Brüder zueinander und nennen sich "Du". In den Wintermonaten soll ein Abend in der Woche die Turner in ihrem Vereinslokal versammeln, wo sie sich unterhalten und Bücher austauschen können. In jedem Jahr sollen drei Turnfahrten gemacht werden und zwar zwei im Sommer und eine im Winter." Leider enthält das umfangreiche Aktenstück keine Angaben über die vorhandenen Turngeräte.

1846 gründete der Apotheker Fleiner in Schopfheim einen Turnverein. In der "Geschichte von Schopfheim" steht zu lesen, dass die Gründung des Turnvereins eine Frucht der bewegten Vierzigerjahre und der sich damals anbahnende Erkenntnis von der Notwendigkeit körperlicher Ausbildung gewesen sei. Der Schopfheimer Verein wurde jedoch mit Beginn der Fünfzigerjahre als politisch verdächtig aufgelöst und trat erst 1863 wieder ins Leben.

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