|









Stand:
17. November 2009
| |
1851 unternahm der Turnverein den Versuch zur Gründung einer Feuerwehrmannschaft wie in Karlsruhe, Freiburg und Müllheim. Diesem Versuch war kein Erfolg beschieden, weil der Stadtrat kein Geld hatte. Die gute Absicht wurde zwar als "lobenswert" anerkannt, aber vielleicht traute man auch den Turnern nicht, die sich im Zeichen des Turnvaters Jahn zusammengeschlossen hatten. Die Eingabe an die Stadtgemeinde war von den Vorstandsmitgliedern Turnwart Ankelin, Sprecher Friedrich Köstlin sowie Schriftwart und Rechnungsführer Ernst Schöpflin verfasst worden. Das sind auch die ersten aufgefundenen Namen von Mitgliedern.
1852 ist aufgezeichnet, dass der Turnverein Kandern seinen ganzen Kassenbestand für den Freiheitskampf in Schleswig-Holstein gab. Man möchte annehmen, dass die Kanderner Turner von der damals allgemeinen Begeisterung für die deutschen Brüder im Norden ergriffen waren. Die ältere Generation erinnerte sich noch an einige der zahlreichen Lieder, in denen die Zusammengehörigkeit der beiden Fürstentümer und vor allem ihre Zugehörigkeit zu Deutschland besungen wurden. Dazu kam, dass von 1850 bis 1853 Kußmaul als Arzt in Kandern wirkte. Er war als Oberarzt mit dem Badischen
Batallion Holtz kurze Zeit in Schleswig gewesen, bevor er sich in Kandern niederließ.
1863 im September schrieb der Bürgermeister Kammüller an das
Großherzogliche Bezirksamt, dass sich in Kandern mehrere junge Leute zur Gründung eines Turnvereins zusammengefunden haben. "Da der Platz und die Einrichtung schon von früher her von der Stadtgemeinde dazu hergegeben und eingerichtet wurden, so sind von unserer Seite keine Hindernisse gegen die Errichtung eines Turnvereins zu erwarten. Das Bürgermeisteramt bittet um Genehmigung." Die Turnbewegung in Kandern muss also einige Zeit geruht haben. Das Bezirksamt stellt fest, dass es keiner Genehmigung zur Gründung eines Turnvereins bedarf. Nur Schützenvereine und Feuerwehren bedürfen dieser Genehmigung. Aus diesen Aufzeichnungen entnehmen wir auch weitere Namen von Mitgliedern. Um das Zustandekommen des Vereins bemüht sich jetzt C.F. Stubenvoll und Joh. Vetter. Am 4. Oktober wurden die Satzungen angenommen und gleichzeitig wurden gewählt: Kaufmann C.W. Sänger zum Vorstand; C.F. Stubenvoll, Commis zum Schrift- und Geldwart; Ernst Grether zum Turn- und Zeugwart; Weitere Mitglieder sind: V.Mehrer, J.Kayser, W.Rietmaier; F.Kramer, Joh. Vetter, Karl Nees; Fz. Läuger, Erhard Albietz, W.Wüst, Karl Kalt; J.Löhler, E.Vogt, J.Schäuble, J.Ehret, E. Ebner, G.Schanzlin, K. Kramer und W.Vogel.
1879 Der Vereinsbetrieb muss wieder einmal einige Zeit geruht haben, denn bei den Akten finden wir, von
C.R. Gutsch in Lörrach gedruckt, "Statuten des Turnvereins Kandern, gegründet am 15. Juni 1879."
1880 am 7. April erging eine Eingabe an das Bezirksamt Lörrach, worin es
heißt: "Der seit dem 1875 brach gelegene Turnverein hiesiger Stadt hat sich seiner Zeit wieder neu zusammengetan und ist wieder ins Leben getreten." Vorstand ist jetzt Karl Friedrich Hagin, Müller; Turnlehrer G. Greiner; Stellvertreter T.Brenner; Schriftführer F.Nußbaumer; Rechner G. Kramer. Die Ziele waren dieselben, wenigstens dem Geiste nach, wie sie die ältesten Satzungen nennen: Verpflichtung zu tüchtigem und ehrenhaftem Lebenswandel, zur Teilnahme an den Vereinsangelegenheiten, zu gegenseitigen und freundschaftlichen Entgegenkommen zur Verhütung aller Anlässe von Streit und Uneinigkeit und schließlich zur Besättigung der Vaterlandsliebe. Dieser Vorstand hatte am 18. März 1880 auch an das Bürgermeisteramt die Bitte gerichtet, an den Turntagen die Turner durch Signale zusammenrufen zu dürfen. Der Gemeinderat lehnte dieses Ansinnen aber ab.
1882 erfolgte am 26. Februar die Gründung des "Markgräfler Turngaues" in Basel durch die Vereine Haagen, Lörrach, Säckingen und Zell im
Wiesetal. Der Kanderner Verein gehörte gebietsmäßig zum "Schwarzwald-Turngau".
1884 wurde, obwohl man nicht dem Gau angeschlossen war, am zweiten Gauturnfest in Lörrach teilgenommen.
1893 fand am 6. und 7. August in Freiburg das 5. Oberrheinische Kreisturnfest statt, an welchem aus Kandern mindestens 6 Turner teilnahmen.
1898 am 16. Januar erfolgte beim Gautag in Waldshut der Beitritt des Turnvereins Kandern zum Markgräfler Turngau.
1900 In einer Eingabe an die Stadt vom November ist zu lesen, dass der Verein sich in diesem Jahre neu organisiert hat. Der Verein bittet, "uns das auf dem Böscherzen stehende, der Stadt gehörende Haus, gütigst zur Verfügung zu stellen". Das Gesuch wird genehmigt für den kommenden Winter, doch hat der erste Vorstand, Ernst Berger jr., dafür Sorge zu tragen, dass nichts beschädigt wird, keine Ruhestörungen verübt und das Haus um 10 Uhr geschlossen wird.
|